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13.12.2022 - Dr. Hartmut Kühne - Der lutherische Apotheker Wolf Holtzwirth reist 1546 nach Jerusalem – und anschließend kreuz und quer durch Europa. Beobachtungen zu einer Handschrift des Museums

Am Dienstag, dem 13.12.2022 um 18:30 Uhr, wird in der Vortragsreihe „AUFGESCHLOSSEN“ im Rosa Salon des Schlossmuseums Sondershausen in Zusammenarbeit mit dem Geschichts- und Altertumsverein sowie dem Förderkreis Schloss und Museum Sondershausen e.V. ein Vortrag von Dr. Hartmut Kühne, Berlin, zum Thema

„Der lutherische Apotheker Wolf Holtzwirth reist 1546 nach Jerusalem – und anschließend kreuz und quer durch Europa.

Beobachtungen zu einer Handschrift im Schlossmuseum Sondershausen“

stattfinden.
 

Der lutherische Apotheker Wolf Holtzwirth reist 1546 nach Jerusalem – und anschließend kreuz und quer durch Europa. Beobachtungen zu einer Handschrift im Schlossmuseum Sondershausen

Das Schlossmuseum bewahrt eine von dem Hallenser Apotheker Wolfgang Holtzwirth verfasste Handschrift auf, in welcher der Abenteurer und dennoch erfolgreiche Geschäftsmann über die ersten drei Jahrzehnte seines Lebens berichtet. Auch wenn die Handschrift in den letzten Jahrhunderten immer wieder das Interesse von Forschenden auf sich zog, war sie bisher als ganze unbearbeitet geblieben.

Der 1522 in Halle in eine Patrizierfamilie hineingeborene Wolfgang erlebte nach dem frühen Tod seines Vaters eine unstete Kindheit und Jugend. 1544 brach der in der Apotheke Cranachs tätige Geselle von Wittenberg nach Italien auf, wo er sich zwei Jahre lang mit „work and travel“ durchschlug. 1546 brach er als erster Lutheraner zu einer Seereise in das Heilige Land auf, die den wesentlichen Gegenstand seiner Aufzeichnungen bildet. Holtzwirths Erzählung ist im Vergleich mit ähnlichen Texten sehr viel persönlicher und detailreicher. So berichtet er von den Freuden und Ängsten einer low-budget-Seereise, von Leibesvisitationen und Verhören bei der Ein- und Ausreise, von einer gefährlichen Klettertour auf dem Berg der Versuchung und einem Seegefecht mit türkischen Piraten. Nach seiner Rückkehr zog der Apotheker auf der Suche nach einer zukünftigen Existenz über Villach nach Krakau, Gotland und schließlich nach Tallin (Reval), fuhr von dort mit dem Schlitten gen Antwerpen und nach Nowgorod, bevor er sich 1553 in Halle niederließ und dort die heute noch bestehende Löwen-Apotheke gründete. In den knapp 200 Seiten seines Gedenkbuchs begegnet uns die Lebenswelt dieses vor genau 500 Jahren geborenen Menschen, die ganz anders war als die heutige – und doch kommt uns dieser Mensch in seinem Erzählen ganz nahe.

 

Kurzvita

Hartmut Kühne, geb. 1965 in Magdeburg, studierte an der Kirchlichen Hochschule Berlin (Ost) und an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin Evangelische Theologie. Von 1993 bis 2008 war er an der Humboldt-Universität zu Berlin als wissen­schaft­licher Mitarbeiter bzw. Assistent tätig. Er übernahm Lehraufträge an der Technischen Universität Berlin (Mittelalterliche Geschichte) und an der Theologischen Fakultät in Göttingen und ist seit 2008 Lehrbeauftragte für Kirchengeschichte am Pädagogisch-Theologisches Institut (PTI) Brandenburg. Seit 2009 ist er freiberuflich für verschiedene Ausstellungs- und Forschungs­projekte tätig. Zuletzt war er Kurator der Doppelausstellung „Pilgerspuren“ im Museum Lüneburg und im Schwedenspeicher Stade im Jahre 2020. Im November 2022 reichte er seine Habilitationsschrift „Die lutherischen Wunderbrunnen. Studien zur Alltags- und Kulturgeschichte des Protestantismus im Alten Reich vom 16. bis zum 18. Jahrhundert“ bei der Fakultät für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften der Universität Leipzig ein. Gegenwärtig bereitet er unterstützt durch ein Stipendium der Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung die Edition eines Gedenkbuches des Hallenser Apothekers Wolfgang Holtzwirth aus dem 16. Jahrhundert vor.

Schwerpunkte seiner Arbeit sind die Kirchen- und Frömmigkeitsgeschichte des späten Mittelalters und der Frühen Neuzeit, insbesondere die Wallfahrtsforschung und die Frömmigkeitsgeschichte des frühneuzeitlichen Luthertums. 2010 wurde er in den Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Sankt-Jakobus-Gesellschaft kooptiert, deren stellvertretender Vorsitzender er seit 2017 ist. Seit 2022 ist er Mitglied der Historischen Kommission für Brandenburg.

 

Das Museum, der Förderkreis Schloss und Museum Sondershausen und der Geschichts- und Altertumsverein Sondershausen freuen sich auf Ihren Besuch!!

 

 

 
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